Tiervergiftungen: Wer knuspert da am Bäumchen?

Text: Nicole Zurbuchen


Giftige Balkonpflanzen, gefährliche Schmerzmittel von Herrchen, verhängnisvolle Schokolade:
Wie Sie Ihre Haustiere vor Vergiftungen mit Alltagsstoffen schützen.


Hinter den Buchsbaumbüschen versteckte sich die sechs Monate alte Katze Sunita am liebsten: Ständig knabberte sie die Blätter an. Eines Morgens war der Balkon kahl. Sunitas Besitzerin hatte die Büsche ausgerissen - aus Angst, dass sich ihr Schmusetiger vergiftet.

Buchsbaum ist stark giftig: Seine Alkaloide wirken zuerst erregend, dann lähmend. Doch keine Panik: Eine vier Kilo schwere Katze muss immerhin etwa 20 Gramm Buchsbaumblätter fressen, damit die Dosis tödlich wirkt, ein 30 Kilo schwerer Hund gar 150 Gramm. Als Vorsichtsmassnahme empfiehlt Veterinärmedizinerin Jacqueline Kupper vom Tierspital Zürich: «Wer junge Kätzchen oder Hunde hat, sollte stark oder sehr stark giftige Balkon- und Zimmerpflanzen wie Engelstrompete, Maiglöckchen, Herbstzeitlose, Oleander, Dieffenbachie oder eben Buchsbaum ausser Reichweite stellen.»

Übertrieben wäre es, jede schwach giftige Begonie oder Hyazinthe unverzüglich in den Abfallsack zu befördern. «Warten Sie getrost zu», rät Kupper, «erst wenn die Katze oder der Hund immer wieder daran knabbert und leichte Vergiftungssymptome zeigt, sollte die Pflanze entfernt werden.» Doch aufgepasst: Nagetiere und Schildkröten reagieren empfindlicher - deshalb sollten sie möglichst mit gar keinen giftigen Pflanzen in Kontakt kommen.

Letztes Jahr erhielt das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum 1’257 Anfragen zu Tiervergiftungen, wovon 770 Hunde und nur 298 Katzen betrafen. Eigentlich leben in der Schweiz fast dreimal mehr Katzen als Hunde, nämlich 1,35 Millionen. Sind Hunde unvorsichtiger? «Katzen sind eher Feinschmecker», erläutert Kupper. «Ein Hund merkt unter Umständen erst, dass etwas bitter schmeckt, wenn er schon eine grössere Menge davon herunter geschlungen hat.»


150 Gramm Trauben können tödlich sein.

Produkte für Landwirtschaft und Gartenbau verursachen am häufigsten schwere Vergiftungen und Todesfälle bei Tieren. Gefährlich sind auch offen herumliegende Medikamente: Selbst «harmlose» Schmerzmittel wie Aspirin und Paracetamol können für Hunde sehr schädlich und für Katzen sogar tödlich sein.

Tiere reagieren auf gewisse Substanzen anders als Menschen. So kann etwa Teebaumöl eine Katze umbringen: Manche Besitzer reiben ihre Haustiere damit ein, um Flöhen den Garaus zu machen - die Katzen schlecken sich danach ab und nehmen so das auch für sie giftige Öl auf.

Ein fünf Kilogramm schwerer Hund wiederum kann an 150 Gramm Trauben oder einer Tafel dunkler Schokolade sterben. Schokolade enthält Theobromin, das für Hunde giftig ist. Entscheidend ist die Dosis: Selbst ein kleiner Terrier nimmt keinen Schaden, wenn er mal ein Schokoladentäfelchen erwischt.


Was tun bei einer Vergiftung?

    * Die häufigsten Symptome von Vergiftungen bei Tieren sind Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Schwäche, Krämpfe und Lähmungen.

    * Suchen Sie bei stärkeren Vergiftungserscheinungen so rasch wie möglich einen Tierarzt auf. Falls die Symptome nur schwach sind, rufen Sie das Toxikologische Informationszentrum an.

    * Bringen Sie Ihr Haustier nicht zum Erbrechen, sondern bieten Sie ihm allenfalls Wasser zum Trinken an.


Weitere Infos:

Notfallnummer des Toxikologischen Informationszentrums: Telefon 145, www.toxi.ch

Online-Vergiftungscheck des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich: www.clinitox.ch

 

Katzenkiller Teebaumöl

von Dr. Manfred Stein, Gyhum

Teebaumöl (Tea Tree Oil), botanischer Name: Melaleuca alternifolia (Myrtaceae) wird sowohl in der Human – als auch in der Veterinärmedizin immer beliebter. Dies beruht nicht zuletzt auf der irrigen Annahme, dass "natürlich" zwangsläufig "nebenwirkungsfrei" bedeutet.

Rasant steigende Verkaufszahlen

Während der letzten 10 Jahre stieg der Verkauf von Teebaumöl von rund 8 auf 150 bis 200 Tonnen jährlich. In Broschüren, Büchern und Anzeigen wird Teebaumöl unter anderem zur Therapie bei Akne, Schuppen und Schuppenflechte, Pilzerkrankungen, Muskelschmerzen, offenen Wunden, Rheuma, Raucherhusten und Krampfadern angepriesen (14). Nicht selten wird Teebaumöl völlig verharmlosend beworben, wie das nachfolgende Zitat von einer kommerziellen Internetseite zeigt:

>>Teebaumöl ist nebenwirkungsfrei, natürlich und einfach in der Handhabung. Durch die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten ist es eine natürliche Alternative zu vielen speziellen Präparaten und "chemischen Keulen".<<

Hochwirksame Inhaltsstoffe

Unterzieht man Teebaumöl einer Gaschromatographie, so erkennt man, dass dieser angeblich so harmlose "Naturstoff" ein Gemisch aus einer Vielzahl potenter, pharmakologisch hochwirksamer Substanzen (Terpene und Phenole) ist.

Beispiel einer Analyse: 2,6% a-Pinene, 1,01% Limonene, 20,42 % y-Terpinene, 3,1% a-Terpineol, 1,00% d-Cadinene, 0,10% Sabinene, 3,31% p-Cymene, 3,1% Terpinolene, 1,31% Aromadendrene, 0,5% Globulol, 8,4% a-Terpinene, 3,3% 1.8 Cineole, 40,5% Terpinene-4-ol, 0,7% Ledene, 0,4% Viridiflorol.

Da es sich um ein Naturstoff handelt, kann die Zusammensetzung von Produkt zu Produkt und von Charge zu Charge erheblich schwanken. Gelegentlich ist Teebaumöl auch gepanscht, wie eine Untersuchung belegt, die unter der Leitung von Prof. Hans Becker an der Universität Saarbrücken durchgeführt und in der Deutschen Apothekerzeitung im Dezember 97 veröffentlicht wurde.

Nebenwirkungen

Gleichzeitig mit der zunehmenden Anwendung werden weltweit Nebenwirkungen bei Mensch und Tier beschrieben. Humanmediziner diagnostizieren häufig eine Kontaktdermatitis oder Allergien (10, 13, 14). Ebenso mehren sich Vergiftungen mit Übelkeit, Durchfällen, Gleichgewichtsstörungen, Müdigkeit und Desorientiertheit bei Kleinkindern (8, 9) und Erwachsenen nach Einnahme von bis zu 10 ml unverdünntem Teebaumöl (11, 12).

Kritikloser Einsatz

Teebaumöl wird immer häufiger auch völlig kritiklos bei Katzen z.B. gegen Flöhe eingesetzt, ohne dass sich die Tierbesitzer über die tierartspezifischen Unverträglichkeiten beraten lassen. Folge ist, dass immer wieder Katzen mit "Teebaumöl-Vergiftungen" in der Tierarztpraxis vorgestellt werden. Taumeln, chronische Abmagerung, Zittern, Unruhe, Schwäche (5, 6) sind die nur zu gut bekannten Symptome einer Teebaumöl – Vergiftung. Nicht selten endet die Vergiftung mit Koma und Tod der Katze. Werden vergiftete Katzen frühzeitig einem Tierarzt vorgestellt, so können sich die Tiere innerhalb zwei bis drei Tagen erholen (5).

Warum?

Durch den Gehalt an Terpenen und Phenolen sind Teebaumöl und viele andere ätherische Öle (Thymian -, Oregano – und Zimtöle) für Katzen toxisch. Katzen können durch die fehlende Fähigkeit zur Glucuronidierung (Verstoffwechselung) diese Verbindungen nur sehr langsam ausscheiden (1, 2, 3, 6), die Inhaltsstoffe des Teebaumöls reichern sich im Körper der Katze an, es kommt zur Vergiftung. Selbst wenn Tierbesitzer ihren Katzen nur wenige Tropfen Teebaumöl zur Flohbekämpfung auf das Fell tropfen, so können die Katzen doch bei der Fellpflege toxische Mengen aufnehmen und erkranken.

Tierschutz

Insbesondere durch die schwankenden und für den Tierbesitzer schwer zu beurteilenden Inhaltsstoffe, ist eine Anwendung bei der Katze ein unkalkulierbares Risiko und aus Gründen des Tierschutzes abzulehnen. Selbst wenn es im Einzelfall nicht zu sichtbaren Vergiftungserscheinungen kommt, können Langzeitfolgen insbesondere nach wiederholter Anwendung nicht ausgeschlossen werden. Zudem stehen dem Tierarzt eine Vielzahl von zugelassenen und erprobten Arzneimitteln zur Flohbekämpfung zur Verfügung.

http://www.animal-health-online.de/drms/klein/teebaum.htm

 

AHO Aktuell - Benzoesäure für Katzen giftig

(aho, 7.9.2006) - Benzoesäurehaltige Essensreste, Nahrungsergänzungs - und Diätlebensmittel sollten nicht an Katzen verfüttert werden. Obwohl die als Lebensmittelkonservierungsstoff verwendete Benzoesäure ein Naturstoff ist, können bereits geringe Mengen von nur 5 Promille im Lebensmitteln für Katzen tödlich sein. In Hunde- und Katzenfutter sind Benzoesäure und verwandte Konservierungsstoffe gesetzlich verboten.
Benzoesäure gehört so den sogenannten phenolischen Verbindungen. Derartige Verbindungen können von der Katze nur schlecht verstoffwechselt werden, so dass es schnell zu Vergiftungen kommt.
Vergiftungsanzeichen sind Speicheln, Erbrechen, Atembeschwerden, Apathie, Muskelzittern, Durchfall, Anfälle, schwankender Gang und Bewusstlosigkeit.

Ähnliche Vergiftungen sind auch vom Teebaumöl bekannt.

Hintergrund:

Benzoesäure ist ein Naturstoff, der in Heidelbeeren, Johannisbeeren, Pflaumen und Preiselbeeren vorkommt. Er wird für die Verwendung in der Lebensmittelindustrie synthetisch hergestellt und auf dem Produktetikett mit E210 gekennzeichnet. Natriumbenzoat (E211), Kaliumbenzoat (E212), Calciumbenzoat (E213) sind die Natrium-, Kalium- bzw. Calciumverbindungen der Benzoesäure.

E210 bis E213 können in folgenden Lebensmitteln enthalten sein:
Fruchtsaftkonzentrate (Zwischenprodukt bei der Herstellung von Fruchtsäften), Marinaden, Fertigsalaten, Kuchenfüllungen, Backmargarine, nichtalkoholischen aromatisierten Getränken, Tee-Flüssigkonzentraten (Früchte, Kräuter), zuckerarmen Konfitüren, Gelees, Marmeladen, Gemüse, das in Essig, Öl oder Lake eingelegt ist, Fischerzeugnissen, nicht erhitzten Milchprodukten, Kaugummi, Senf, Würzmitteln und Diätlebensmitteln.

(c) Copyright AHO Aktuell - Informationen zur Tiergesundheit ein Service von
ANIMAL-HEALTH-ONLINE
WWW: http://www.animal-health-online.de
E-Mail: drms@animal-health-online.de